16.07.2019

Interview mit Dr. Tobias Fabian

Der Knie- und Schulterspezialist aus der Sportklinik beantwortet unsere Fragen zu seiner Arbeit als Mannschaftsarzt, den Herausforderungen als Sportmediziner und die häufigsten Ursachen für einen Besuch bei ihm.

Der Rheinländer Dr. med. Tobias Fabian aus Leverkusen ist als Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie bei uns neben der Sportlerbetreuung vor allem mit ganz normalen Anliegen rund um Schulter- und Knieprobleme zuständig. 

Tobias, du bist Arzt an der Sportklinik Ravensburg. Was reizt dich an dieser Arbeit?

„Die typische Antwort wäre: ‚Weil ich gerne mit Menschen arbeite‘. Aber es stimmt halt wirklich, weil ich sonst im falschen Beruf wäre. Ich finde es schön, dass ich in der Untersuchung fast so etwas wie Detektivarbeit leisten muss und dann auch noch – bei der Behandlung selbst – das Handwerkliche hinzukommt. So kann ich also Hirn und Hand kombinieren, Verstand und Geschick. Ich kann meistens eine Verbesserung erzielen und so mit meinem ‚Handwerk‘ den Leidensdruck meiner Patienten reduzieren und das Lebensgefühl verbessern."

Du bist auch regelmäßig als Mannschaftsarzt für die Ravensburger Towerstars, die Razorbacks oder den FV im Einsatz. Wie würdest du deine Erfahrung als Mannschaftsarzt beschreiben?

„Weil ich ja selber früher Aktivsportler war, ist es immer wieder schön, wenn man auf diese Art noch Kontakt mit Sportlern hat. Man ‚fühlt‘ sich dann wieder als Sportler, man ist wieder einer von den Jungs.
Das wichtigste an der Sportmedizin ist, dass alle die gleiche Sprache sprechen. Darum ist die Kommunikation zwischen Sportlern, Physiotherapeuten und Sportmedizinern essentiell. Hier müssen alle an einem Strang ziehen, damit der Sportler optimal betreut wird und wieder fit wird.“

„Freundschaftlich auf Augenhöhe zusammenarbeiten als Team. Man ist gleichzeitig Vater, Psychologe, Arzt und Freund.“


Gibt es auch Negatives an deiner Arbeit?

„Ja, gibt es. Für mich war die schwierigste Erkenntnis, dass man auch als Arzt den Zustand vor einer Verletzung nicht immer wiederherstellen kann. Ich habe zum Beispiel einmal einen erfolgreichen Leichtathleten betreut, der sich bei einem unglücklichen Sprungversuch das Knie ausgekugelt hat – und da kannst du machen was du willst, er wird nie wieder auf dem Niveau an Wettkämpfen teilnehmen können, wie vor dem Unfall. Egal wie gut du bist. Und das akzeptieren zu können, ist schwer. Aber auch das gehört dazu und man muss lernen, mit den eigenen Grenzen umzugehen. Man kann als Arzt die Zeit nicht zurückdrehen."

Gibt es einen privaten Ausgleich zur stressigen Arbeit in der Klinik?

„Wenn es mal anstrengend war, gehe ich danach zum Ausgleich gerne Radfahren oder Joggen. Oder spiele mit meinem Sohn. Aber es ist eigentlich gar nicht so schlimm mit dem Stress in der Arbeit. Wir versuchen, trotz des hohen Patientenaufkommens eine möglichst entspannte Atmosphäre zu schaffen. Dadurch wird unser Alltag dann nicht sooo stressig. Das versuchen wir auch unseren Patienten mitzugeben. Sie sollen nicht den Eindruck bekommen, hier unter Zeitdruck behandelt zu werden.“

Treibst du auch privat Sport?

„Nicht mehr so viel wie früher, aber ich spiele immer noch gerne Basketball, Volleyball und Beachvolleyball, je nach Saison. Football ist lustigerweise gar nicht so meins, obwohl ich die Razorbacks betreue.“

Was ist denn die häufigste Ursache für einen Besuch bei dir?

„Mein umwerfendes Aussehen (lacht laut). Im Ernst: Jeder von uns ist auf bestimmte Gelenke spezialisiert. Bei mir sind es vor allem Schulter- und Kniegelenk, aber auch muskuläre Verletzungen. Ganz häufig sind Sehnenrisse, vor allem an der Schulter die Rotatorenmanschette oder auch Verletzungen des Meniskus am Knie.“

Wie würdest du deinen „Durchschnitts-Patienten“ beschreiben?

„Der Patient, den wir am häufigsten sehen, ist kein Spitzensportler. Die meisten Patienten – sicher um die 95 Prozent – sind ganz normale Menschen aller Altersklassen mit Gelenkschmerzen.“

Was muss man als Patient tun, um dich so richtig auf die Palme zu bringen?

„Eigentlich bin ich ziemlich entspannt. Wirklich auf die Palme bringen kann man mich in meinem Job nicht. Was manchmal etwas an den Nerven zehrt, ist Nörgelei oder Undankbarkeit, obwohl man sich besonders intensiv für seine Patienten eingesetzt hat - Aber solche Negativerfahrungen kommen ja zum Glück sehr selten vor!“

Umgekehrt: Womit kann man dir eine Freude machen?

„Ich freue mich über Dankbarkeit. Ein kleines ‚Danke‘ finde ich super.“

Du hast ja auch Teilnehmer der Paralympics betreut. Wie kam es dazu?

"Ich komme ja ursprünglich aus Leverkusen und diese Stadt hat eine starke Tradition, was die Unterstützung amputierter Leichtathleten betrifft. Da war ich eigentlich von Anfang an als Arzt dabei und mit ganz spezifischen Herausforderungen konfrontiert. Die Belastung, mit einer Prothese zu laufen, ist viel höher als mit natürlichen Gliedmaßen. Die Athleten sind also höherer Belastung ausgesetzt und haben oft Gelenkprobleme. Gleichzeitig gibt es eine höhere Sensibilität für körperliche Problemen – damit verbunden aber auch eine hohe Dankbarkeit, wenn man diese Probleme gemeinsam gut gelöst bekommt.“

Zum Abschluss eine letzte Frage: Gibt es einen Lieblingskollegen, eine Lieblingskollegin?

„Alle (lacht). Es ist ja so: Jeder Jeck ist anders. Das sind lauter komplett unterschiedliche Typen. Diese Verschiedenheit macht es dann im Team wieder so gewinnbringend. Jeder hat seine Macken, jeder hat seine Eigenheiten, aber als Team ergänzen wir uns prima - Das find ich gut."

"Wir sind alle hochspezialisiert, aber wenn es knifflige Situationen gibt, treffen wir gemeinsame Entscheidungen als Team. So profitieren wir alle – und unsere Patienten – von der gemeinsamen Erfahrung.“